Studie: Trends in der Unternehmensberichterstattung.

Ergebnisse zeigen einen deutlichen Rückgang der Druckauflagen, Tendenzen zum Medien-Mix und eine nach wie vor zentrale Rolle des Geschäftsberichts für die IR-Arbeit.

Wir haben kürzlich zum zweiten Mal nach 2009 die größten börsennotierten Konzerne in Deutschland zu wichtigen Medienperspektiven in der Unternehmensberichterstattung befragt. An der Studie beteiligten sich diesmal insgesamt 40 Berichtsverantwortliche aus DAX (Rücklauf: 40%), MDAX (38%) und TecDAX (30%). Die Ergebnisse zeigen u.a. einen deutlichen Rückgang der Druckauflagen, Tendenzen zum Medien-Mix und eine nach wie vor zentrale Rolle des Geschäftsberichts für die IR-Arbeit.

Durchschnittliche Druckauflagen nach Aktienindex – 2009 auf 2014*

Die Entwicklung der Druckauflagen stand heuer erneut im Mittelpunkt unseres Interesses: 2014 lag die durchschnittliche Auflage eines Geschäftsberichts im DAX bei 10.109 Exemplaren. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren gaben die befragten Unternehmen im deutschen Leitindex noch eine durchschnittliche Auflage von 30.842 Berichten an. Auch in den anderen beiden Aktienindizes lässt sich ein deutlicher Rückgang der Druckauflagen beobachten. Im MDAX sank die durchschnittliche Auflage im Fünf-Jahresvergleich von 9.631 auf 2.954 Exemplare, während die TecDAX-Unternehmen mit 1.856 Berichten nur noch ein Drittel der durchschnittlichen Auflage von 2009 (5.790 Exemplare) druckten.

Zwar gingen die Auflagen bei allen befragten Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zurück, allerdings lassen sich diese auf den ersten Blick drastischen Einbrüche (siehe Grafik) bei genauerer Betrachtung der Daten vor allem auf die Entwicklung in einzelnen Konzernen zurückführen: So gab beispielsweise eines der DAX-Unternehmen 2009 noch eine Druckauflage von 80.000 Exemplaren an, die mittlerweile nur mehr bei rund 15.000 liegt. Nach eigener Einschätzung gaben die befragen Berichtsverantwortlichen im Schnitt „nur“ einen Auflagenrückgang von -30% in den letzten fünf Jahren an. Diese Tendenz soll sich aber in Zukunft fortsetzen: Für den Geschäftsbericht 2014 wird ein Auflagenrückgang von durchschnittlich 13 Prozent erwartet, während sich die Auflage über die nächsten drei Jahre nach Einschätzung der Befragten um rund ein Fünftel reduzieren wird.

Zwischenberichte werden häufig nicht mehr gedruckt

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich indes auch bei den Druckauflagen von Zwischenberichten beobachten. Nach Indizes betrachtet lag die durchschnittliche Auflage des jeweils letzten Zwischenberichts im DAX bei 1.525 (2009: 5.295), im MDAX bei 457 (2009: 2.311) sowie im TecDAX bei 189 (2009: 365). Viele Unternehmen verzichten bei Quartalsberichten allerdings schon ganz auf den Druck. Insgesamt 17 Konzerne (darunter fünf DAX-Unternehmen) gaben in der aktuellen Befragung an, ihre Zwischenberichte nicht mehr zu drucken.

Beim Geschäftsbericht wiederum konnte sich die Mehrheit der Teilnehmer (55%) eher nicht vorstellen, perspektivisch auf den Druck zu verzichten. Weitere rund zehn Prozent waren diesbezüglich „unentschlossen“. Nach Index betrachtet gehen die Einschätzungen diesbezüglich allerdings stark auseinander. Überraschenderweise halten vor allem viele DAX-Unternehmen einen perspektivischen Verzicht auf den Druck auch beim Geschäftsbericht für durchaus realistisch.

Trends: Integrated Reporting, Medien-Mix und Mobile

Die Zukunft der Unternehmensberichterstattung sehen viele Teilnehmer (neben dem Integrated Reporting) übrigens in einem Medien-Mix: Für 60 Prozent der befragten Experten gewinnt die Online-Berichterstattung in Zukunft an Relevanz. Über 70 Prozent waren außerdem der Meinung, dass Unternehmensberichte für mobile Endgeräte wie Tablet-PCs oder Smartphones optimiert werden müssen (z.B. durch Responsive Design). Ob der Print-Bericht dabei auch künftig das „Leitmedium“ der Berichterstattung bleiben wird, wurde von den Teilnehmern unterschiedlich beurteilt. Während 45% dieser Aussage entweder „eher“ oder „voll“ zustimmten, waren 17,5% unentschlossen und weitere 37,5% stimmten ihr „eher nicht“ oder „gar nicht“ zu.

Einschätzungen zu Trend-Aussagen**

studie-onlinetrend

 

Fazit: Geschäftsbericht bleibt zentral

Egal in welchen Formaten Geschäftsberichte künftig den Weg zu ihren Rezipienten finden: fest steht, sie bleiben zentral für die Investor-Relations-Arbeit. Lediglich zwei Teilnehmer (5,7%) gingen davon aus, dass die Bedeutung der Pflichtpublikationen in den nächsten Jahren abnimmt, während die Mehrheit (88,6%) dies klar verneinte.

Wir gehen davon aus, dass es künftig insgesamt vermehrt darum gehen wird, die Stärken von Print und Online in der Berichterstattung besser auszuschöpfen. Im Corporate Publishing sollte man sich diesbezüglich endlich vom falschen Gegensatz „Print vs. Online“ verabschieden. Durch die Nutzung von Medienpotenzialen und Synergien könnte die Berichterstattung effizienter, kostengünstiger und weitaus zielgerichteter werden. Mehr dazu lesen Sie bald hier in unserem Blog.

Den vollständigen Studienbericht können Sie übrigens per Mail an office@nexxar.com kostenlos anfordern.

* Basis: Alle gültigen Antworten | n=37 | Angaben in Exemplaren
** Basis: Alle gültigen Antworten | n=38-40

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